Das Gespräch aus der Ferne 
Vierteljahreshefte zu wesentlichen Fragen unserer Zeit 
Rezensionen bedeutender Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt gehören zum Repertoire des „Gesprächs aus der Ferne“.
Auf diesen Seiten finden Sie Hinweise auf und Auszüge aus Buchbesprechungen – geordnet nach den (rücklaufenden) Heftnummern und in der Seitenabfolge der jeweiligen Ausgabe. Die vollständigen Texte können Sie zum Downloaden einzeln, zusammen oder mit dem kompletten Heft bestellen.
AUSGABE NR.: 375

Autor: Kurt Darsow

AUSZUG:

... Gert Loschütz, 1946 in Genthin geboren und heute in Berlin lebend, zieht in Dunkle Gesellschaft, seinem bisher bedeutendsten Roman, alle erzählerischen Register. Mit hohem Kunstverstand durchforstet er die Literaturgeschichte, macht er sich den zerfledderten Fundus der Schwarzen Romantik zunutze. Von der Nacht zum Nebel reicht seine subtile Schattenkunde, vom Schimmelreiter zum Fliegenden Holländer, vom Voodookult zur Magie der Alraune, vom evangelikalen Budenzauber zur ZahlenmystIk. Nachtgespenster, die in unseren bis in die letzten Winkel ausgeleuchteten, schattenlos gewordenen Zeiten ansonsten vorzugsweise in Horrorfilmen oder Gruselschmökern herumspuken, haben in seinem Roman in zehn Regennachten die Hochliteratur unterwandert.

Der Gegenaufklärung lässt sich dieses Kunststück von hohen Graden deshalb noch lange nicht zurechnen. Wer ihm, wie Heinrich Detering in der FAZ vom 19. 10. 2005, "wilde Geheimnisfuchtelei" ankreidet, wird ihm auch nicht annähernd gerecht. Dafür spricht allein schon die Vielstimmigkeit mit der hier der Wind sirrt und pfeift und faucht oder der Regen nieselt und pladdert und Bindfäden zieht. In welchem anderen gegenwärtigen Roman wird die Poesie der Binnenschifffahrt so eindringlich beschworen? Kaum hat man das Buch aufgeschlagen, riecht man auch schon das verbrannte Öl, hört man das Tuckern der Maschinen und sieht man im gelben Licht der Brücke den Mann hinter dem Steuer vorübergleiten, geradewegs in die Dunkelheit hinein.

(Vollständiger Text dieser Buchbesprechung mit der Überschrift .Botschaften des Regens. Gert Loschütz beschwört die Poesie der Binnenschiffahrt. in: GadF Nr. 375, IV.Quartal 2005, S. 51-52)